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Aktion „Kopf und Herz“ – Menschen mit Demenz begegnen: Grundschüler und Senioren zusammen im Klassenzimmer

Die größte Verblüffung des Tages löst bei den Grundschülern der Budenheimer Lenneberg-Schule wohl das „Zauberpapier“ aus. In einer Zeit in der Kopierer und Laserdrucker noch nicht erfunden waren, vervielfältigten die Lehrer die Arbeitsblätter mittels Kohlepapier. Das wird von den Schülern natürlich auch gleich ausprobiert.

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Auch Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler probiert aus, wie früher auf einer Schiefertafel in Schönschrift geschrieben wurde. Fotonachweis: ASB RP/ Dingebauer

Sieben Seniorinnen und Senioren des ASB Seniorenzentrums Budenheim und die Schüler der Klasse 3a der Budenheimer Lenneberg-Schule erfahren im Rahmen der Aktion „Kopf und Herz“ an diesem Morgen unter der fachkundigen Anleitung von Gabriele Bußmann, vom Rheinland-Pfälzischen Museumsverband, wie Schule früher war. 

In einem Museumskoffer hat Bußmann allerlei Gegenstände aus dem Schulalltag vergangener Zeiten mit dabei. Neben Fotos auch eine Schiefertafel, ein in Butterbrotpapier gewickeltes einfaches Pausenbrot sowie ein Gummi-Twist oder ein Poesi-Album. Große Betroffenheit löst bei den Kindern der Rohrstock aus. Viele hatten schon von ihren Großeltern davon gehört. Bei den älteren Damen und Herren werden sichtbar Erinnerungen wach. Sie erzählen vom Einsatz ihrer Schule auf den Feldern, um Kartoffelkäfer einzusammeln damit die Kartoffelernte nicht gefährdet war. Mühelos können sie auch die in Sütterlin geschriebenen Worte an der Tafel ablesen Die Kinder staunen und berichten eifrig, was für sie heute zur Schule gehört.

Mit im Klassenzimmer an dem Morgen auch Schülerin „Sabine“, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie. Bereitwillig setzt sie sich hinter das mitgebrachte alte Schülerpult und übt auf einer Schiefertafel Schönschrift. 

Ins Leben gerufen hat die Aktion „Kopf und Herz – Menschen mit Demenz begegnen“ Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Chefarzt der Gerontopsychiatrie Rheinhessen-Fachklinik Alzey und wissenschaftlicher Leiter der Gedächtnis-Ambulanz der Universitätsmedizin Mainz. Das Ziel dieser Kampagne ist, Brücken zwischen den verschiedenen Generationen zu schaffen, Kinder und Jugendliche über das Krankheitsbild Demenz aufzuklären und ihnen Berührungsängste zu nehmen. So soll ein verständnis- und respektvollerer Umgang mit Menschen mit Demenz sowohl in den Familien als auch im öffentlichen Raum geschaffen werden, um die Teilhabe von Demenzpatienten am öffentlichen Leben zu steigern.

„Ich wünsche mir, dass viele Schulen und Pflegeeinrichtungen diesem Beispiel folgen und einen regelhaften Austausch miteinander begründen. Denn Demenz ist eine Herausforderung und eine Aufgabe, die uns alle angeht – und zwar dort wo wir uns im Alltag begegnen: In Schule, Kindergarten, am Arbeitsplatz, auf der Straße. Wir wollen die Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen in der Mitte unserer Gesellschaft halten und nicht ausgrenzen“, hob die Ministerin hervor.

Die Budenheimer Lennerberg-Schule und das ASB-Seniorenzentrum Budenheim sind bereits über weitere gemeinsame Termine im Gespräch, um eine dauerhafte und regelmäßige Kooperation zu etablieren.